Wissen

Klima-Wechseljahre

Uwe Haardt, Herausgeber des Magazins Yoga aktuell, schreibt in seinem Editorial für die aktuelle Ausgabe (Okt./Nov.19):

„Je mehr wir also durch unser Handeln die Kräfte der Zweiheit in Form von Trennung, Spaltung und Zwietracht nähren, desto mehr CO2 produzieren wir. Unsere Klimakrise ist daher im Grunde eine spirituelle Krise“.

Podiumsdiskussion „Yoga4Climate Action“

5. Internationaler Tag des Yoga,
Indien bei den Vereinten Nationen, 21. Juni 2019.

Buchvorstellung

Die unbewohnbare Welt – Leben nach der Erderwärmung

Auszüge aus den Seiten 186 – 189

Dass der Klimawandel genau zu der Zeit, in der die Allgemeinheit das Vertrauen in Fachwissen verliert, Fachwissen und den Glauben daran erfordert, gehört zu den ironischen Winkelzügen der Geschichte. Es ist hingegen kein Kuriosum und auch kein Zufall und auch keine Anomalie, dass beim Klimawandel jede einzelne kognitive Verzerrung, wie Zuschauereffekt, Status-quo-Verzerrung, Kontrollillusion, Selbstüberschätzung, Optimismus-Verzerrung u.a., greift. Es zeigt nur, wie groß das Thema und wie viele Bereiche unseres Lebens es berührt – nämlich so gut wie jeden. Ebenfalls auf die Liste der verzerrenden Faktoren gehört die GRÖSSE. Das Ausmaß der Bedrohung durch den Klimawandel ist so gewaltig, dass wir reflexartig den Blick davon abwenden, wie beim Blick in die Sonne.

Die Dimension des Problems, sein allumfassendes Wesen, der vermeintliche Mangel an existierenden Alternativen und die Verlockung der kurzzeitigen Vorteile, das sind die Bausteine der seit Jahrzehnten unterschwellig geführten Argumentation gegen die immer unzufriedenere, gebildete Mittelschicht des wohlhabenden Westens. Diese Mittelschicht hätte auf einem anderen Planeten vielleicht die intellektuelle Avantgarde einer Bewegung gegen den ausufernden Finanzkapitalismus und die unregulierten Märkte gebildet.

„Es ist leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als ein Ende des Kapitalismus,“ postuliert Literaturkritiker Frederic Jameson.

Warum dazwischen wählen?

Wenn es um Autoritäten und Verantwortung geht, lassen wir uns oft von der Größe und vom Blickwinkel verunsichern. Wir sind unfähig, zu erkennen, welche Matroschka-Puppe sich in welcher verbirgt und in wessen Regal das Ganze zur Schau gestellt wird.

Große Dinge sorgen dafür, dass wir uns klein fühlen, oder eher machtlos, auch wenn wir offiziell „alles in der Hand haben“. In der Moderne kommt außerdem die damit verwandte Tendenz hinzu, ausladende, von Menschen angelegte Systeme wie das Internet oder das Wirtschaftssystem für unangreifbarer, sogar für un-eingreifbarer zu halten als natürliche Systeme wie das Klima, das uns umgibt. Deshalb kann es uns undurchführbar erscheinen, den Kapitalismus so zu reformieren, dass er es nicht mehr belohnt, fossile Brennstoffe zu nutzen. …Manchen Menschen erscheint es schwieriger, die Billionensubventionen für fossile Brennstoffe abzuschaffen, als überall auf der Erde Kohlendioxid (technisch) aus der Luft zu saugen.

Wir haben mehr Angst vor den Monstern, die wir selbst erschaffen, als vor denen, die wir erben.

Yoga der Verbundenheit – Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfalten, Anna Trökes, Verlag O.W. Barth, 2017

In diesem Buch beschreibt Anna Trökes die Bedeutung des wieder in Beziehung treten, des sich wieder verbinden mit sich selbst und mit anderen. Verbundenheit zu spüren und zu leben ist die Basis jedes aktiven, politischen Handelns, das gedeihlich ist für uns und für andere. Insofern ist dieses Buch eine der wichtigsten Quellen für die positive Kraft und Energie die Yoga-for-Future entfalten möchte.

„Yoga zu leben heißt NICHT, irgendeinem Dogma zu folgen….Yoga zu leben heißt, ihn als einen Weg und eine Praxis zu verstehen, die uns hilft, mit uns selbst in Beziehung zu treten, das Heilsame und Gute in uns zu kultivieren (wie zum Beispiel Mitgefühl) und unser eigenes Erkennen, Wissen und Handeln in den Dienst der Menschheit zu stellen“, schreibt Anna Trökes gleich auf den ersten Seiten des Buches. Und weiter: „Für mich persönlich wurde dabei ganz deutlich, dass ich mich als Yoga-Übende und noch viel mehr in meiner Funktion als Yoga-Lehrende als einen Menschen und eine Bürgerin sehe, die gerade durch die stetige
Beschäftigung mit den Themen des Yoga zu einem bewusst politischen Menschen geworden ist. Und ich denke, dass wir, wenn wir die Aufgabenstellung und die Ethik dieses Weges ernst nehmen und wirklich versuchen, demgemäß zu leben, einen kaum zu unterschätzenden gesellschaftlichen Beitrag leisten können.“

Mit Yoga zur Selbstheilung: Übungen zur Stärkung unseres Immunsystems Anna Trökes, Dr. Holger Cramer, Verlag Herder, 2019

Körper und Geist werden in der modernen Medizin nicht mehr als getrennt wahrgenommen.

In diesem aktuellen Buch wird alles Wissenswerte über die Wirkweisen des Yoga auf das Nerven- und Immunsystem beschrieben. Achtsamkeits- und Atemübungen, Meditationen und Hinweise zu den Asanas als Antwort auf den alltäglichen Stress ergänzen die wissenschaftlichen Ausführungen und zeigen die besten Wege zur Selbstheilung.

Hardy Fürch

Yoga- und Meditationslehrer seit 1992

Er ist seit mehr als 40 Jahren parteipolitisch und in Bürgerinitiativen und Umweltverbänden aktiv und hat das Thema „Die gesellschaftspolitische Dimension des Yoga“ ebenfalls im BDY (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V.) gestärkt.

Seine Eröffnungsrede beim BDY-Kongress „Yoga in der Gesellschaft“, Juni 2019:

Es ist sein besonderes Anliegen die Bereiche Alltag, Ökologie, politisches Engagement und Spiritualität zu einer integralen Lebenspraxis zusammenzuführen.

https://www.yogaraum-westerwald.de/

Wie Green Yoga die Welt verändert, 2009, Phänomen Verlag Hamburg

Die uralten Weisheiten des Yoga werden hier verbunden mit den heutigen ethischen und ökologischen Erfordernissen. Green Yoga zeigt den Weg aus der Sackgasse: Mitgefühl, Verantwortung, persönliches Wachstum und kraftvolles Handeln sind die Schlüssel.
Das Buch beinhaltet konkrete Handlungsanweisungen für eine ganzheitliche Lebens- und Yogapraxis.

Yoga und die Transformation der Gesellschaft, 2015, Verlag Via Nova Wie durch Yoga die Welt verändert werden kann

Kapitalismuskritik und das Wissen um die ökologische Krise, in der wir uns persönlich und in der Welt befinden, werden hier verknüpft mit den Grundlagen des Yoga. Eine neue Post-Wachstums-Gesellschaft mit geänderten ethischen Grundhaltungen ist für einen tiefgreifenden Wandel notwendig. Die Yogapraxis mit ihren spirituellen Werten kann hier sehr unterstützend wirken. Denn der Yogaweg bringt Kompetenzen zur Entfaltung, wie Mitgefühl, Achtsamkeit und Selbstgewahrsam. Es werden genau diese menschlichen Fähigkeiten sein, die wir benötigen, um die zukünftigen und notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen herbeizuführen.

Auszug aus:

Ein spiritueller Weckruf von Rüdiger Lenz

Spiritualität versus Materialismus

Die politische Welterklärung der Spiritualisten war und ist die, dass die Versklavung, die Ausbeutung der Menschen und dieses Planeten nur mit zerstörerischen Kräften möglich ist. Der Materialismus an sich benötigt eine ungeheuer große und zeitlich weitreichende Umspannung destruktivster Kräfte, damit er sich überhaupt als Hauptweltbild der Menschen verbreiten konnte. Sein Mittel ist Angst, Mangel und Manipulation. Da die Spiritualisten dies schon sehr früh erkannten, musste man sie stigmatisieren. Denn alle spirituellen Menschen lassen sich ihre Gehirne nicht von anderen bestimmen. Und das ist eine große Gefahr für die materialistischen Machthaber, weltweit. ….

Die Verhöhnung der eigenen Verbindung zur Geistwelt ist das Ergebnis der Angst vor dem Verlust bestimmter elitärer Kräfte, weltweit, die nichts mehr fürchten als den daraus erwachten, emanzipierten, mündigen und sich selbst bestimmenden Menschen, der sich nicht mehr für ihre Zwecke zur Verfügung stellt. Um ihn nicht machtvoll und attraktiv erscheinen zu lassen haben sie alles Mögliche unternommen, um unsere Gehirne in Besitz zu nehmen. ……

Der Ausweg aus der Falle: Mach einfach nicht mehr mit!

Aus ihm heraus kommt man nicht mit Symptomarbeit. Aus ihm heraus kommen wir alle nur mittels eines anderen Bewusstseins, dass andere Weltbilder zulässt. Es wird Zeit für diesen Bewusstseinswandel, denn Änderungen in der Politik sind Bestandserhaltungsmaßnahmen mit anderen Peitschen. Die Politik, egal welche, ist bestimmt, eine Gesellschaft zu beherrschen. Frieden, Freiheit und die Liebe sind aber nicht beherrschbar noch werden sie besser, wenn man über sie herrscht. Das gilt es, sich bewusst zu machen: Freiheit herrscht nicht, Frieden herrscht nicht und die Liebe herrscht auch nicht. Alle drei werden aber beherrscht. Davon müssen wir uns alle befreien. Jeder auf seine Weise. Nicht mehr mitmachen und sich für sich selbst, für das eigene Leben zu entscheiden, ist der Wandel in unserem Bewusstsein, den wir brauchen, um uns nicht gegenseitig weiter abzuschlachten. Und je mehr und je länger sich immer mehr auf den Weg machen, desto schneller werden alle Ketten gesprengt.
Danke an den Autor Rüdiger Lenz und KenFM für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

Kerstin Chavent

Autorin

Ich praktiziere selbst regelmäßig einfache Yogaübungen. Mit ihnen beginnt mein Tag. Es ist für mich wichtig und wohltuend, so oft wie möglich meine Aufmerksamkeit auf meine Atmung und meinen Körper zu lenken. Es macht mich in vielerlei Hinsicht beweglicher. In dem wachsenden Bewusstsein der tiefen Verbundenheit zwischen Körper und Geist gehe ich glücklicher und vertrauensvoller durch das Leben. Ich empfinde meinen Körper als eine Art Garten, der mir anvertraut wurde und den es zu pflegen gilt. Als ehemalige Brustkrebspatientin empfinde ich eine besondere Dankbarkeit meinem Körper gegenüber. Er hat mir auf seine Weise mitgeteilt, worum ich mich in meinem Leben zu kümmern habe.

Eine höhere Sensibilität für seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu entwickeln, sich für das Wesentliche zu interessieren und Authentizität und Ehrlichkeit zu wagen ist für mich die Voraussetzung für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben. Die Beschäftigung mit sich selbst ist weder Nabelschau noch Weltflucht sondern Notwendigkeit, wenn wir wollen, dass sich unsere Welt zum Besseren wandelt. Wir projizieren dann nicht mehr auf andere, was wir in uns selbst nicht annehmen können. Wir brauchen keine Feindbilder mehr, wenn wir Frieden in uns selbst herstellen. Yoga ist eine gute Gelegenheit, heute damit zu beginnen.

Kerstin Chavent studierte in Hamburg Romanistik und lebt als Sprachlehrerin und Autorin in Südfrankreich. Sie schreibt Artikel, Essays und Erzählungen und ist mitverantwortlich für die Redaktion „Aufwind“ im Rubikon. Sie berührt Themen wie den Umgang mit Krankheit und Krisen, das Verhältnis zu sich selbst und die Erforschung und Erweiterung des eigenen Bewusstseins.

Ihre Bücher:
„Krankheit heilt“
„Das Licht fließt dahin, wo es dunkel ist“
„Was wachsen will muss Schalen abwerfen“
„Die Waffen niederlegen“

bewusstseinimwandel.blogspot.com

Yoga ist politisch
Quelle: Rubikon von Kerstin Chavent