Hier die Antworten vieler Yogis for Future

Frage 1:

Welche neuen Erkenntnisse und Erfahrungen hat diese Situation für dich persönlich erbracht?

Frage 2:

Welche besonderen gesellschaftlichen Veränderungen sind dir aufgefallen?

Frage 3:

Was wird sich deiner Meinung durch die Corona-Krise in der Gesellschaft nachhaltig verändern?

Alexandra Eichenauer-Knoll
Yogalehrerin BYO/EYU

Vyana – Raum für Yoga
Wilhelm-Grundmann-Straße 16
A- 3170 Hainfeld

Mobil: +43.664.10 26 798
kontakt@vyana.at
www.vyana.at

zu Frage 1:
Ich muss vorausschicken, dass ich in einer sehr privilegierten Position bin. Ich lebe in einem schönen Haus mit Garten auf dem Lande, bin als Grafikerin und Yogalehrende selbstständig und verfüge über finanzielle Reserven. Das heißt, mein Leben ging ohne scheinbare gröbere einschneidende Veränderungen, wie vor allem Arbeitslosigkeit, weiter. Die einzige wesentliche Umstellung war eine wunderbare Erfahrung: Mein Sohn (23) lebt seit dem 16. Lj. in Wien. Er kam zu uns und wir verbrachten einige Wochen in gemeinsamer Quarantäne. Max studierte von meinem Garten aus. Dieses unerwartet wieder intensiv gewordene Familienleben mit einem charmanten, jungen Erwachsenen konnte ich zutiefst genießen, ich durfte sogar einiges von ihm lernen. So trainierte er mich beim Tischtennis, zeigte mir, wie man Lasagne kocht und kleine Filmchen mit dem Handy dreht. Ich fühlte mich also eigentlich unverschämt glücklich, hielt mich von social media fern und begann dafür erstmals, Pflanzen aus Samen zu ziehen. In einem sonnigen Eck des Hauses warten inzwischen Zucchini, Gurken, rote Rüben und Melonen darauf, ausgepflanzt zu werden. Auch bei dieser Tätigkeit begleitete mich geradezu unglaubliches Anfängerglück. Außerdem, und das ist ganz wichtig, begann ich vom ersten Tag der Beschränkungen an, das ganze Haus aufzuräumen, meine unzähligen, vor allem geerbten Bücher neu zu sortieren, auszumisten oder für den Flohmarkt in Kisten zu stapeln. Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Was will ich in meinem Leben noch lesen, welche Themen möchte ich noch angehen, was möchte ich aus historischen oder familiären Gründen erhalten? Auch das ein sehr intensiver und wochenlang dauernder Prozess. Trotzdem war mir immer bewusst, dass mein persönliches Glück, bedingt durch eine großzügige Infrastruktur, etwas Besonderes ist, und dass viele Menschen zeitgleich starken psychischen Belastungen ausgesetzt sind, bishin zu den Flüchtlingen in Moria und andernorts, die dort unter unwürdigsten Umständen nach wie vor ausharren müssen.¬

Vielleicht war es genau diese Diskrepanz zwischen dem eigenen Wohlergehen und dem Leid da draußen, die mir so besonders deutlich spürbar geworden ist. Natürlich ist das im Grunde nichts Neues. Aber Corona hat auch diese Unstimmigkeit, wie so viele Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten, noch deutlicher werden lassen.
Nach Ostern habe ich begonnen, Yoga mit dem Videoprogramm gotomeeting zu unterrichten. Auch dabei hat mir mein Sohn in der Startphase tatkräftig geholfen. Es tut mir gut, offene Fragen und Nöte für die anderen und auch für mich auszusprechen und in eine heilsame Praxis einzubauen. Und es ist schön, sich wieder in einer gemeinsamen Präsenz auf andere Menschen einzustimmen und mein Dasein mit ihrem Dortsein abzustimmen.

zu Frage 2

Aufregung
Ich bin schon lange nicht mehr auf Facebook aktiv. Aber auch auf Whatsapp, das für mich ein praktisches Kommunikationstool geworden ist, wurden die zugesandten Filmchen und Links mehr. Auf einer privaten Whatsapp-Gruppe führten diese vielen „Das muss du unbedingt ansehen und wissen und teilen und unterschreiben“ – Meldungen zu einer regelrechten Krise. Vielleicht war es das Thema verpflichtende Impfungen, das die Nerven der Mitglieder schlussendlich am meisten belastete und zu Austritten führte.
Wir sind ja mit diesen vielen widersprüchlichen Expertenmeinungen, und auch den verwirrenden Angaben von Regierungsseite extrem beansprucht. Wann können wir wieder unsere Studios öffnen, ist Singen, das für meine Praxis auch zum Yoga gehört, wirklich so gefährlich? Wie schützen wir ältere Menschen, ohne sie auszuschließen von dem, was sie lieben. Es wird noch mehr Verordnungen, Empfehlungen und Ratschläge geben. Aber wir werden irgendwann aber auch selbst Entscheidungen treffen müssen. Und diese verantworten.
Das regt uns auf. Und wir geben diese Aufregung weiter, regen uns gegenseitig auf. Entspannung in der Kommunikation oder einfach mal auch bewusste mediale Enthaltsamkeit, so finde ich, wäre daher zunehmend wichtig. Schwierig für viele, denn gerade jetzt ist das Informationsbedürfnis verständlicherweise sehr hoch. Eine Zwickmühle.

Unübersichtlichkeit
Es steht im Zusammenhang mit dem regen Austausch an medial verbreitetem Expertenwissen durch Nichtexperten und ist doch ein etwas anderer Aspekt: Seltsam finde ich, wie sich gesellschaftliche Meinungspositionierungen verschieben. Weltoffene, humanistisch gesinnte Menschen schicken Links zu rechtslastigen Plattformen, weil sie die strikten Beschränkungen von Regierungsseite und die Impfdiskussionen als unerträglich empfinden.

Eine differenzierte Meinung zu äußern wird generell immer schwieriger.
Wer übernimmt Verantwortung für die Gesellschaft? Derjenige, der die Impfpflicht gutheißt oder der impfkritisch bleibt? Derjenige, der geflüchtete Menschen aufnimmt oder derjenige, der sie an den Grenzen Europas festhält und damit beschämende und erniedrigende Verhältnis produziert? Wer handelt verantwortungsbewusst im Sinne der Allgemeinheit: Ein Journalismus, der pflichtbewusst regierungstreu berichtet und den Lesenden eine sichere Linie vorgibt oder ein Journalismus, der gerade jetzt Kritikfähigkeit als höchste Pflicht erkennt, damit aber auch das Gefühl von Unsicherheit und Überforderung fördert? Auch so eine Zwickmühle.

zu Frage 3
Optimisten glauben daran, dass diese Welt gerade jetzt ihre, vielleicht letzte, Chance hat, eine bessere und gerechtere zu werden. Regionaler, bewusster und respektvoller im Umgang miteinander. Weniger Fernreisen, dafür mehr Gemüse aus dem Nachbarort. Mehr Mitgefühl für die ganz normalen Menschen, denen in diesen Tagen applaudiert wird oder denen zumindest unsere Sorge gilt – vor allem Ärzt/innen und Krankenhauspersonal, Eltern, vor allem Mütter im Home-Office mit integriertem Home-Schooling, Supermarkt-Mitarbeiter/innen, Arbeitslose, Altenpfleger/innen. Nicht zu vergessen die Mitarbeiter der Müllabfuhr.
Bin ich eine Optimistin? Ich glaube nicht. Ich bin eine Realistin. Ich denke, es wird weiter jene geben, die sich äußerst talentiert nach den Meinungsumfragen drehen, wie eine Fahne im Wind, es wird weiter jene geben, die auch von den größten Notlagen noch zu profitieren verstehen und es wird weiter jene geben, die wissen, wie man die Lobbyisten der großen Geld- und Machtkonzentrationen auf dieser Welt zufrieden stellt. Diskret versteht sich.
Daher bin ich (leider) überzeugt davon: es braucht weiter Menschen, die sich einsetzen für alle jene, denen jetzt so großzügig Applaus gespendet wird. Und darüber hinaus auch für jene, die keine Lobby vorzuweisen haben. Die Frage, wie wir mit geflüchtete Menschen umgehen, wird uns weiter beschäftigen. Hier hat die Covid-19 Krise zu keiner Einsicht geführt. In Österreich sind Menschen im Asylerfahren, die z.B. als Altenpfleger/innen eine Ausbildung machen oder sogar schon selbstständig in diesem Beruf arbeiten (Anmerkung: viele sind ja schon jahrelang im Land), noch immer von Abschiebung bedroht. Und das, obwohl wir zu wenig Pflegekräfte haben. Es war nicht einmal möglich, Menschen im Asylverfahren in der derzeitigen Ausnahmesituation als Erntehelfer/innen einzusetzen, da ihnen sonst auf Monate hinaus die Grundversorgung gestrichen worden wäre. In Oberösterreich wurde sogar damit gedroht, dass sie in diesem Falle ihr Quartier verlieren. Bei all den vielen Ausnahmegesetzen in diesen Tagen fragt man sich, warum solche, für alle Seiten sinnvollen Ausnahmeregelungen, nicht möglich gewesen sind?
Für mich ist der Umgang mit Flüchtlingen nur ein Beispiel für viele andere gesellschaftsrelevanten Themen. Der Umgang mit den Schwächsten ist immer ein Gradmesser für das humanistische Kapital einer Gesellschaft. Vielleicht ist ja auch nachher im Kern gar nicht so viel anders wie vorher?

Nico Raabe
marafilm

zu den Fragen 1, 2 und 3

Ich habe mir sofort vor nunmehr 8 Wochen einen Zeitungsartikel ausgeschnitten – Lufthansa stellt die Flüge nach Asien ein.

Einfach wunderbar, ich freue mich immer noch über die Atempause, die die Coronakrise unserem Planeten schenkt.
Und habe Angst vor dem „Hochfahren“ – wie gewalttätig dieser Begriff klingt….
Ich wünsche mir, dass wir gelernt haben, wie gut es sich anfühlt „runterzufahren“, zu verlangsamen, viel weniger zu konsumieren.

Mich hat diese Zeit sehr bewegt, sie hat mich neue Wege finden lassen, ein Audioyogapodcast ist entstanden, meine Familie ist zusammengewachsen,
wichtige Auseinandersetzungen haben stattgefunden. Wie alle, hätte ich mir nicht träumen lassen, wie schnell sich kurzfristige Veränderungen erwirken lassen.

Aber diese Veränderungen dürfen erst der Anfang sein für den tiefgreifenden Wandel, den unsere Gesellschaft braucht, der uns allen abverlangt werden muss, für das Überleben unserer Kinder. Ich stimme Snowden aus tiefstem Herzen zu.
Die Handlungen einer/ eines jeden Einzelnen sind entscheidend und wichtig für das Gelingen des großen Ganzen.

Eine Initiative, die auch aus der Coronakrise heraus gewachsen ist, ist ein Selbstverzichtslabel für Yog*inis, das mir schon lange am Herzen liegt:
WIR BLEIBEN AM BODEN

Helene Thum
LOVE IS THE KEY YOGA

zu Frage 1

„Aus bitterster Erfahrung zog ich diese eine und höchste Lehre: Man muss den Zorn in sich aufstauen, und so wie gestaute Wärme in Energie umgesetzt werden kann, so kann unser gestauter Zorn in eine Kraft umgesetzt werden, die die Welt zu bewegen vermag.“
Mahatma Gandhi

zu Frage 2

„Da die Gesellschaft das einzelne Individuum ausschließlich an seiner wirtschaftlichen Verwendbarkeit misst, ist es kein großes Wunder, dass wir einen massiven geistigen und sozialen Verfall erleben.“
Markus Keimel

zu Frage 3

„Erst, wenn man bereit ist den Tatsachen ins Auge zu schauen, passiert Veränderung.“
Beatrix Marth

Anke Fuchs

zu Frage 1
Ich bin persönlich sehr viel ruhiger geworden. Ich konnte einen Rhythmus finden, der besser zu mir passt und der meiner Seele hilft, bei mir zu bleiben. Ich spüre wieder, was ich brauche. Vorher hat mein Kopf sehr viel mehr für mich entschieden. Ich bin den Menschen in meinem Herzen näher gerückt und ich nehme die Fülle wahr, die das Leben für uns bereithält. Ich habe einen Frieden in mir gefunden, den ich vorher so nicht kannte.
zu Frage 2
In der Gesellschaft begegnet mir eine größere Achtsamkeit im Miteinander. Die Menschen sind ruhiger geworden und machen öfter als sonst den Weg frei, wenn jemand anderes vorbei möchte.
zu Frage 3
Ich denke, dass wir langfristig sehr viel weniger reisen werden und wertzuschätzen wissen, dass es zu Hause auch sehr schön ist.

Ich schreibe dies alles vor dem Hintergrund, dass ich selbst aktuell keine finanziellen Sorgen habe und von meinem Arbeitgeber jeden Monat ein Gehalt bezahlt bekomme. Ich denke, dass es Menschen mit finanziellen Nöten anders gehen wird. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl.

Ursula Freywald
yogamandala

zu Frage 1
Da ich persönlich zur Risikogruppe gehöre, kann ich nun für lange Zeit meine Enkelkinder und auch meine Kinder und Verwandten nicht sehen. Ich bin alleinlebend und so stehe ich jeden Tag nur mir gegenüber. Obwohl „Alleinsein“ die längste Zeit meines Lebens ein angstbesetztes Thema war, merke ich jetzt, dass ich sehr zufrieden und glücklich mit mir alleine sein kann. Ich finde es schön, Kolleginnen auf der Arbeit zu treffen, ab und an Tanzen zu gehen, Besuche zu machen – aber mein Leben hängst nicht davon ab. Ich brauche es definitiv nicht, um glücklich und zufrieden zu sein. Das ist erstaunlich und entspannt mich sehr.
zu Frage 2
Ehrlich gesagt: wenige. Anfangs schien diese Krise etwas auszulösen. Mittlerweile habe ich aber den Eindruck, jedem ist seine eigenen Nase doch wieder am nächsten. Menschen, die sowieso schon achtsam, kritisch und reflektiert waren, sind es jetzt noch immer und vielleicht sogar noch auf eine intensivere Art. Wer es nie war, ist es jetzt auch nicht. Die hilfsbereiten Leute waren auch vorher schon sozial, die umweltfreundlichen auch vorher schon respektvoll im Umgang mit unserer Welt. Bei allen, die damit nichts am Hut hatten, hat sich auch durch die Krise nichts geändert – zumindest überwiegend.
zu Frage 3
Da kann ich mich nur auf Punkt 2 beziehen. Der Graben wird sich vertiefen zwischen den zwei Lagern. Es gibt vorrausschauende Menschen, die nicht erst die Katastrophe benötigen, um umsichtig zu handeln und das eigene Ego nicht überhand nehmen zu lassen. Der Rest wird erst in der nächsten Katastrophe mit Heulen und Zähneknirschen reagieren. Ich würde es gerne anders sagen, aber ich beobachte es leider so, wie ich es geschrieben habe. Selbst in der Politik ist die besonnene Wachsamkeit wieder einem Gerangel an Zustimmungswerten gewichen. Und was erwartet man von der breiten Bevölkerung, wenn es in den „oberen Riegen“ schon nicht anders zugeht? Sobald der Schrecken etwas abgeklungen ist, geht alles weiter wie immer.

Monika Adele Camara
AFRIKUCO INSTITUT

zu Frage 1

Digitalisierung!! Ich bilde mich seit 1 Monat online weiter. Viele inspirierende Online-Kongresse konnte ich entdecken. Allerdings sehe ich als Bewegungsmensch auch am eigenem Leib, wie anstrengend und gesundheitsschädigend diese vielen Stunden am PC sind – besonders für unsere Augen. Was mich wiederum inspiriert, mehr Gewicht auf das Thema Augen – und Mentalgesundheit im Yoga zu richten. Der von mir schon lange gehegte Wunsch nach einer Videoproduktion von Übungseinheiten verwirklicht sich nun für mich. Dabei entdecke ich meine Freude am „autodidaktischem “ Filmen. Weniger schön ist die Erkenntnis, das ich als Freiberuflerin nun gefühlt und real alleine bin – fast auf weiter Flur. So steht ganz stark Neuorientierung an – sowohl im privaten Bereich als auch in der Kommunikation mit meinen teils jahrzehntelangen beruflichen Kontakten und Schülern. Und last not least, bekommt unsere freischaffende Situation in Zeiten von Corona auch die Notwendigkeit, uns politisch für unsere Gleichstellung und Anerkennung einzusetzen. Eine nicht ganz einfache – aber auch erfüllende Aufgab, der wir uns besonders als Yogalehrende nicht entziehen können.

zu Frage 2
Wir befinden uns mitten im Klimawandel .
Die globalen Veränderungen sind also schon sehr lange im Gange. Wir laufen Gefahr, uns neben der Konzentration auf das allgegenwärtige Thema Corona von diesem für uns Menschen global realen Wandels ablenken zu lassen. Seien wir wachsam – unserem Bezug zur Natur gegenüber.

Aber auch und besonders, was den Schutz und die Verteidigung unserer – von unseren Vorfahren schwer errungenen Demokratie anbelangt. Weder Resignation, Trägheit noch blinde Hörigkeit helfen uns dabei. Öffnen wir also die Augen und fangen an, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Die jahrtausendealten und hochaktuellen Erkenntnisse aus Yoga, Ayurveda und Vedanta können besonders in diesen herausfordernden Zeiten für uns hilfreich sein.
Sowohl auf der ganz persönlichen Ebene als auch auf der gesellschaftlichen Ebene.

zu Frage 3
Ich kann es nicht sagen – jedenfalls nicht für unsere – deutsche Gesellschaft. Ich kann nur von mir selbst ausgehen. Yoga begleitet mich seit meinem 15. Lebensjahr. Also seit 1969. Als Mensch, Frau und Mutter gehe ich seit frühester Jugend meinen ganz und gar eigenen Weg.
Als Reisende zwischen den Welten mit Lebens- und Berufserfahrung in Deutschland, Frankreich und Westafrika zieht sich mein ganz eigener Lebensfaden durch diesen kosmopolitischen Aufenthalt und seine positiven wie negativen Erlebnisse. Was wir vielleicht alle aus der Corona-Krise lernen ist das, was Menschen auf der ganzen Welt und in allen Zeiten immer wieder durch erlebte Krisen und Traumata erfahren, nämlich: Nichts bleibt wie es ist. Die Welt ist in stetiger Veränderung. Und sie ist Maya – Illusion. So fangen wir an, positive Visionen zu entwickeln! Zum Wohle dieses Planeten und unserer Mit- Bewohner. Auf dieser Erde, unter dieser Erde – und über dieser Erde. Lokah Samastah Sukhino Bhavantu – Mögen alle Wesen in Glück und Harmonie leben.

Sarasvati Devi
Djerba, Tunesien und Yogaloft Trier

zu Frage 1
Sehr interessant war für mich die Entdeckung, Yoga online zu unterrichten; nachdem meine Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Frankreich, Schweiz, Belgien, Luxemburg, Tunesien und Marokko mich darauf aufmerksam gemacht haben. Ich war immer dagegen und ziemlich stur in meiner Haltung, jedoch, nachdem die Anfrage immer grösser wurde, habe ich mich entschieden, für eine Probesitzung: es war erstaunlich stark an Interaktion und Kommunikation! Seit 5 Wochen finden sie also statt und alle sind happy. Dazu kam auch, dass Schüler aus verschiedene Kulturen zwischen Europa, Schweiz und Nordafrika näher zusammenkommen, sich kennenlernen und dadurch die Yoga Community verstärken! Einmal im Monat findet die AfroYoga®-Sitzung statt und wir tanzen virtuell zusammen: die Wirkung ist stark. Einmal wöchentlich poste ich eine Mudra Erklärung aus dem Nritya-Yoga mit einem Ausgleichthema für die jetzige Situation; dies öffnet besonders hier in Tunesien den Blick für eine Yogapraxis des Seins statt des Tuns. Auch meine Kreativität hat sich dadurch verstärkt und weiterentwickelt. Durch die vielen kontroversen Informationen über Herkunft, Lösung, Entwicklung der Krise lerne ich noch tiefer in mir zu lauschen, und stelle fest, dass die Welt zu viel spricht. Auch familiär hat sich was Positives für mich verändert und eine tiefere Verbindung mit bestimmten Familienmitgliedern erbracht, die ich schon lange nicht mehr kontaktiert hatte.
zu Frage 2
Hier in Tunesien, wo ich momentan lebe, hat die Krise mehr Disziplin und Achtsamkeit gebracht. Kinder schenken Polizisten und Militär Blumen oder mal auch ein Brot oder Bonbons, wie damals in der Revolution. Liebe wächst und wird anders ausgedrückt: statt sich zu umarmen findet man andere Ausdruckmöglichkeiten der Manifestation der Dankbarkeit und Aufmerksamkeit.
Ich glaube, auch ein besserer Fokus auf die präventiven Seiten der Gesundheit im Vorbeugen ist entstanden. Auch mehr Geduld und Achtsamkeit und vielleicht eine Öffnung, um der Umwelt eine tiefere Aufmerksamkeit zu schenken. Meine europäischen Freundinnen und Freunde und Schülerinnen und Schüler erzählen viel von „Im Hier und Jetzt“ leben, schmieden nicht soviel Pläne wie zuvor, lernen mehr loszulassen.
zu Frage 3
Ich glaube, es wird sich einiges ändern in der Selbstverantwortung und der Lebensweise und der Bedurfnisse: Weniger ist mehr.
Ein stärkeres Bewusstsein der Gesundheit und der Ökologie entsteht. Auch die Arbeitswelt wird sich verändern und das Homeoffice wird mehr Platz einnehmen, was eine gute Lösung für viele Arbeitnehmer- und geber sein wird. Ich denke dabei an alleinerziehende Mütter und Väter. Auch die Selbstversorgung und die Solidarität wird zunehmen, die Gemeinschaft wird eine größere Rolle spielen, hoffe ich auf jeden Fall!

Auch ein stärkeres Interesse für Yoga, Stille, Dankbarkeit und dadurch eine tiefe Interaktion und der Respekt der Menschheit und Mutter Erde durch Viveka (Unterscheidungskraft) und Ahimsa steigt, was ich sehr wünsche.

Rick Desaever
Community Yoga Oldenburg

zu Frage 1
Ich wurde mir wieder bewusst, wie fragil unsere sogenannte Sicherheit eigentlich ist, und woran wir diese Sicherheit festmachen. Auch vor über 30 Jahren hatte ich schon mal eine „unschöne“ Erfahrung, wobei von Heute auf Morgen das Elternhaus verloren war, mein Vater gestorben ist, die Familie auseinandergebrochen ist. Auch damals wurde mir klar, dass wir uns festklammern an Sachen, Beziehungen, Werten, die sehr vergänglich sind. Auch in der Corona Krise habe ich wieder einen Bruder verloren, und wieder war klar, nichts ist beständig, alles ändert sich. Gleichzeitig empfinde ich diese Erfahrungen als sehr bereichernd, da wir uns die Fülle unseres Lebens bewusstwerden können.
zu Frage 2
Es sind verschiedene Strömungen deutlich spürbarer geworden. Sie sind nicht neu entstanden, aber durch die bedrohliche Pandemie werden Standpunkte eingenommen und sogar verteidigt. Die Strömungen verlaufen in sehr unterschiedliche Richtungen. Manche Menschen werden wach und werden sich die Verletzlichkeit des Ganzen bewusst, zeigen sich solidarisch und hilfsbereit. Bei anderen führt die Angst dazu, sich abzuschotten und vor allem die eigene Existenz zu sichern, mache Leute gehen soweit und machen ein gutes Geschäft mit der Krise.
Die großen Chancen für Veränderung, zum Beispiel in Sachen Klimaschutz, Kapitalumverteilung, Bildung und Digitalisierung werden zweitrangig und eher stiefmütterlich behandelt. Ich befürchte, dass das große Verlangen, das alles wieder wird wie vorher, überherrscht.
zu Frage 3
Die Hoffnung bleibt bei mir bestehen, dass wenn genug Menschen aufwachen, mehr Solidarität, weniger Konsumorientierung, mehr Bildung und Spiritualität unsere Gesellschaft nachhaltig verändern können. Aber dass auch die Digitalisierung vorangetrieben wird, neue und sinnvollere Ausbildungen und Beschäftigungen entstehen, die Globalisierung mehr als Wissens-Sharing verstanden wird und weniger als Wirtschaftswunder. Kurz, dass wir diese schmerzhafte Pandemie auch als Chance für nachhaltige Veränderung verstehen.

Theresia Hartlaub

zu Frage 1
Positiv: Damit ich nicht verzweifle und Ängste mich nicht überrollen beim Grübeln, ist die Erfahrung wichtig für mich: mir geht es nur gut, im Moment, gerade in dem Augenblick zu leben und mich mit positiven Dingen zu beschäftigen. Der Moment ist wichtig und das Vertrauen, das mich bei allem begleitet und die Zuversicht. Manchmal ist es mir erschreckend, wie gut ich mit mir alleine klarkomme und wie gut ich mir eigene Strukturen schaffen kann. Ich empfinde dabei Freiheit und Unabhängigkeit.
Schön auch wie in der Hausgemeinschaft Solidarität und Hilfsbereitschaft wachsen.
Dennoch: ich vermisse meine Lieben, innige Umarmungen, Yoga in einer echten Gruppe, mal wieder Essen gehen mit Freunden und in echte Augen schauen beim Gespräch. Das wurde mir schmerzlich klar, dass ich das sehr vermisse und wie wenig ich das vorher wertgeschätzt habe, weil es so selbstverständlich war.
zu Frage 2
Wie gehorsam wir Deutschen doch sind. Ich hoffe es ist nicht nur blinder, sondern von Einsicht und Eigenverantwortung getragener Gehorsam.
Wie fragil unser Leben ist.
Die Digitalisierung hat Rückenwind und Vorschub durch die Krise erfahren. Sehe ich eher negativ. Yoga z.b. online finde ich schlimm. Es braucht die Zusammenkunft, den Spirit der Gruppe u.v.m.
Propaganda und Werbefeldzug für den Impfstoff gegen Corona
Die Presse und Medien stilisieren eine konforme „Hofberichterstattung“ der Politik. Keine kritische Hinterfragung der Expertisen, keine Meinungsvielfalt.
Positiv: die Auswirkungen auf das Klima, 50% weniger Verkehr, 10% weniger Stromverbrauch und CO2-Ausstoß. Die Natur erobert sich Gebiete zurück, Fische in den Kanälen von Venedig, Delphine am Bosporus…..geht doch!!!
Jetzt heißt es, daraus zu lernen und beizubehalten, dann hatte die Krise wenigstens ökologisch Sinn.

Dr. Katja Brunkhorst

Antworten und mehr dazu habe ich hier geschrieben:

https://bright-idea.de/menschliches-allzu-menschliches/